3. Preis Geschichten, Natur – Nominiert, World Press Photo of the Year

10 Juni 2020

Luis Tato, Spanien

Heuschreckeninvasion in Ostafrika

Anfang 2020 erlebte Kenia die schlimmste Invasion von Wüstenheuschrecken seit 70 Jahren. Im Sommer 2019 waren Heuschreckenschwärme von der Arabischen Halbinsel nach Äthiopien und Somalia eingewandert. Eine anhaltende erfolgreiche Brut, zusammen mit schweren Herbstregen und einem seltenen spätsaisonalen Zyklon im Dezember 2019, löste einen weiteren Reproduktionsschub aus. Die Heuschrecken vermehrten sich und drangen auf der Suche nach Nahrung in neue Gebiete ein, erreichten Kenia und breiteten sich über andere Länder im östlichen Afrika aus. Wüstenheuschrecken (Schistocerca gregaria) sind potenziell die zerstörerischsten Heuschreckenschädlinge, da Schwärme schnell über große Entfernungen fliegen und bis zu 150 Kilometer pro Tag zurücklegen können. Ein einzelner Schwarm kann zwischen 40 und 80 Millionen Heuschrecken pro Quadratkilometer enthalten. Jede Heuschrecke kann pro Tag ihr Gewicht an Pflanzen verzehren: Ein Schwarm von der Größe von Paris könnte an einem Tag die gleiche Menge an Nahrungsmitteln verzehren wie die Hälfte der Bevölkerung Frankreichs. Heuschrecken produzieren zwei bis fünf Generationen pro Jahr, in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen. In Trockenperioden drängen sie sich auf den verbleibenden Landflächen zusammen. Anhaltend regnerisches Wetter – und damit feuchte Erde für die Eiablage sowie reichlich Nahrung – begünstigt die Vermehrung und erzeugt große Schwärme, die auf der Suche nach Nahrung umherziehen und Ackerland verwüsten. Die Grenzbeschränkungen, die durch COVID-19 notwendig wurden, machten die Kontrolle der Heuschreckenpopulation schwieriger als sonst, da sie die Versorgung mit Pestiziden unterbrachen und auch verschiedene Nachbarländer betrafen, die bereits mit einer hohen Nahrungsmittel unsicherheit zu kämpfen hatten.

Wir müssen dem Rest der Welt erzählen, was hier in Ostafrika passiert. Die Menschen verlieren ihre Ernte, und COVID macht die Situation noch schlimmer. Wir haben eine Katastrophe.

Mulugeta Ayene, Mitglied der Hauptjury

Audiokommentar

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Ethische Dilemmas

Video-Interview mit der Jury