2. Preis, Langfristige Projekte

03 Juli 2020

Karolina Jonderko, Polen

Reborn

‚Reborn‘-Babys tauchten erstmals in den 1990er-Jahren auf. Jedes ist ein Unikat, das von Künstlern, den sogenannten ‚Rebornern‘, sorgfältig hergestellt wird. Die hyperrealistischen Reborn-Babys werden mit Details wie Muttermalen, Venen, implantierten Haaren, Poren, Tränen und Speichel hergestellt. Anspruchsvollere Reborns sind mit elektronischen Systemen ausgestattet, die in der Lage sind, den Herzschlag, die Atmung und das Saugen eines echten Babys nachzubilden. Die meisten Puppen sind aus Vinyl gefertigt, die realistischeren jedoch aus Silikon. Für die Wimpern werden menschliche Haare verwendet, und die fertigen Puppen werden manchmal mit dem Geruch eines ‚neuen Babys‘ parfümiert. Reborn-Babys sind als Ganzes oder in Form von Bausätzen erhältlich und können online und auf Messen gekauft werden. Der Kauf eines Reborn-Babys kann so ablaufen, dass eine Adoption simuliert wird: Puppen werden mit ‚Adoptions-‘ oder ‚Geburts‘-Zertifikaten geliefert. Reborn-Babys wurden in der pädiatrischen Ausbildung eingesetzt, um Studenten praktische Fertigkeiten in der Kinderpflege zu vermitteln, und der Einsatz der Puppen in Pflegeheimen hat gezeigt, dass sie helfen, störendes Verhalten bei Menschen mit Demenz zu reduzieren. Während die meisten Reborn-Besitzer Puppensammler sind, haben andere eine Fehlgeburt oder den Tod eines Neugeborenen erlebt, haben keine Mittel für eine Adoption oder leiden unter dem Empty-Nest-Syndrom und verwenden die Puppe vielleicht als Ersatz für ein Kind.

Die Fotografin wollte das Phänomen erforschen, wie künstliche Babys echte emotionale Reaktionen bei Erwachsenen hervorrufen. Jede Frau, die in diesem Projekt porträtiert wird, hat eine persönliche Motivation, ein Reborn-Baby zu haben. Manche, die kein Baby haben können oder es verloren haben, schenken ihre Liebe einem künstlichen Baby, indem sie sich um es kümmern, es wickeln und ihm Kleidung kaufen. Für einige sind die Puppen ein Mittel, um mit Verlust oder Angst umzugehen, für andere bieten sie Gesellschaft.

Audiokommentar

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