3. Preis, Langfristige Projekte

14 September 2020

Angelos Tzortzinis, Griechenland

zum Teil finanziert von der Magnum Foundation

Gefangen in Griechenland

Zehntausende Menschen, die vor Krieg und Armut in ihren Heimatländern fliehen, sind seit dem Höhepunkt der europäischen Flüchtlingskrise im Jahr 2016 in Griechenland gestrandet. Laut einem UNHCR-Bericht vom März 2016 sind seit Anfang 2015 mehr als eine Million Menschen, vor allem Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan, nach Griechenland gekommen. Als die Balkan- und europäischen Länder nördlich von Griechenland begannen, ihre Grenzen für ankommende Migranten zu schließen, saßen mehr als 90.000 Menschen in Griechenland fest, in Lagern oder auf der Straße. Das Aufnahme- und Identifizierungszentrum Moria auf der Insel Lesbos in der östlichen Ägäis war das größte Flüchtlingslager in Europa, bis es im September 2020 bei einem Feuer niederbrannte. Im Sommer 2020 lebten etwa 20.000 Menschen in einem Lager, das für 3.000 Personen gebaut wurde. Die Bewohner klagten über Regen, Kälte, Krankheiten, fehlende Lebensmittel und Sicherheit, unhygie-nische Toiletten und Wassermangel. Das Feuer, das am 9. September ausbrach, zerstörte das Lager fast vollständig. Die griechische Regierung gab an, dass die Brände absichtlich von Migranten gelegt wurden, die dagegen protestierten, dass das Lager aufgrund eines COVID-19-Ausbruchs abgeriegelt wurde. Auf der nahegelegenen Insel Samos lebten Ende 2019 fast 8.000 Flüchtlinge auf einer ehemaligen Militärbasis, die für 650 Personen gebaut worden war. Die Inselbewohner hielten regelmäßig Proteste ab und forderten die Verlegung der Einrichtungen auf das Festland, und die Lagerbewohner protestierten gegen ihre Lebensbedingungen. Am 2. November 2020 brach im Lager ein Feuer aus, zwei Tage nachdem die Insel von einem Erdbeben der Stärke 6,7 heimgesucht wurde. Zwischen 100 und 150 Menschen verloren ihr Zuhause.